Aptamere als smarte Bindemoleküle:
Von der Selektion bis zur Anwendung
Aptamere sind kurze einzelsträngige DNA- oder RNA-Moleküle, die durch ihre dreidimensionale Faltung hochaffin und hochselektiv an Zielstrukturen wie Proteine, kleine Moleküle oder ganze Zellen binden. Diese besondere Eigenschaft macht sie zu funktionellen Bindemolekülen mit maximaler Flexibilität und unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten in Diagnostik, Therapeutik sowie Umwelt- und Lebensmittelanalytik. Das Fraunhofer IZI-BB verfügt über langjährige Expertise in der Selektion, Optimierung und Funktionalisierung von maßgeschneiderten Aptameren und setzt dabei auf automatisierte in vitro Selektion (SELEX) sowie effiziente Monitoring- und Prozessteuerungsverfahren. Unsere umfassende Infrastruktur mit S2- und Toxinlabor sowie modernster Zellkultur ermöglicht die Aptamergenerierung gegen eine Vielzahl von Zielstrukturen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung innovativer aptamerbasierter Nachweissysteme wie Streifentests oder Aptasensoren, die eine schnelle, präzise und kosteneffiziente Detektion mit niedrigen Nachweisgrenzen ermöglichen. So entstehen neue Werkzeuge der modernen Biotechnologie, die nahezu alle Kategorien von Analyten erfassen können.
Charakteristika und Potentiale der Technologie
- Überlegene alternative zu Antikörpern: Aufgrund ihrer einfachen chemischen Synthese, hohen Stabilität und geringen Immunogenität stellen Aptamere eine kostengünstige und vielseitige Alternative zu klassischen Antikörpern dar.
- Diagnostische Biosensoren: Aptamere werden als hochspezifische Bindemoleküle in Biosensoren eingesetzt, um kleine Moleküle, Proteine, Viren, Bakterien und Zellen nachzuweisen.
- Bildgebung und Detektion: Aptamere lassen sich mit Fluoreszenz- oder Nanopartikeln koppeln, um biologische Strukturen sichtbar zu machen.
- Therapeutische Anwendungen: Aptamere dienen als Wirkstoff-Inhibitoren, indem sie gezielt an krankheitsrelevante Proteine oder Rezeptoren binden und deren Funktion blockieren.
- Gezielte Wirkstofffreisetzung: Als »Targeting-Moleküle« ermöglichen Aptamere die präzise Ansteuerung bestimmter Zellen oder Gewebe und unterstützen so eine gezielte Wirkstoffabgabe.
- Forschungstools: Aptamere ermöglichen die Untersuchung von Molekülinteraktionen, da sie auch immunogene Zielmoleküle oder spezifische Proteinfaltungen erkennen können, die mit Antikörpern schwer erfassbar sind.
Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, Institutsteil Bioanalytik und Bioprozesse IZI-BB